15.06.2019
Heute morgen um 07:00 Uhr ging mein Flug von La Paz über Santa Cruz und Trinidad (in Trinidad konnten wir im Flugzeug warten, weil nur ein paar weitere Fluggäste zugestiegen sind) bevor es weiter nach Riberalta (sehr weit im nördlichen Dschungel von Bolivien) ging.
Auf dem Weg dorthin sind mir zwei Dinge aufgefallen:
- es überrascht mich immer wieder, wie manche Flugzeuge immer noch im Stande sind abzuheben, zu fliegen und trotz berechtigten bedenken immer noch an Ihrem Zielflughafen ankommen, ohne auseinander zu fallen.
- Hat es mich sehr schockiert, wie wenig Regenwald in Bolivien noch in Takt und dicht bewachsen ist.

Um 11:10 Uhr kamen wir dann in Riberalta, Bolivien an. Wir, weil ich im Flugzeug durch Zufall einen schwedischen Backpacker (Chris) wiedererkannt habe, den ich zuvor in Mendoza, Argentinien kennen gelernt hatte.
Es stellte sich heraus, dass auch er auf dem Weg zum Retreat-Zentrum Pisatahua war, um an dem gleichen Ayahuasca Retreat wie ich teilzunehmen.
Des weiteren waren zwei weitere Retreat-Teilnehmer (Tammi, eine Schottin (Marine Biologist) und ihr Freund William von den Cayman Islands in der Karibik, dort leben sie zusammen) im Flugzeug, welche sich bei der Ankunft noch im Flugzeug vorgestellt haben.
Wir mussten keine 5 Minuten warten, bis wir von Erik, dem Zentrumsleiter mit US Amerikanischer Herkunft mit einem großen 4×4 Jeep abgeholt und zur Unterkunft gebracht wurden.
Auf dem Weg zum Retreat Zentrum nutzte man die Zeit um sich etwas besser kennen zu lernen und sich ein paar nützliche Informationen von der Umgebung anzuhören.
Ebenso gab es sehr gute Informationen darüber, was das Non-Profit Unternehmen mit dem Geld, das die Retreat Teilnehmer bezahlen, so alles anstellt.
Am Retreat Zentrum angekommen, konnten wir gleich unsere Unterkunft, welche wir für die nächsten 10 Tage gebucht hatten beziehen.
Zu meiner Überraschung haben Chris und ich ein Unterkunfts-Upgrade bekommen, welches wir sehr gerne angenommen haben.
Nun mussten wir zwar einen Bungalow teilen, aber wir hatten nun ein eigenes Badezimmer, einen herrlichen Ausblick auf den anliegenden See mitten im Dschungel, einen Schreibtisch und eine super bequeme Hängematte direkt am Fenster.

Nachdem wir ein gutes aber ziemlich fades Mittagessen genossen hatten, wurden wir von Niño (unserem 31-Jährigen Shamanen) über das heutige „Reinigen“ (Purging), welches man machen MUSS, informiert.
Ohne diese Tabak Zeremonie ist es uns sonst nicht erlaubt am eigentlichen Ayahuasca Retreat teilzunehmen. (Die Shamanen unterscheiden sich untereinander sehr, sowohl was Zeremoniemethoden- und regeln betrifft, als auch Behandlungsmethoden und Diäten. Jeder Shamane nach seinen eigenen persönlichen Erfahrungen mit Ayahuasca)
Wir müssen am heutigen Abend ein Shotglas aus Holz, in Form eines kleinen Kelches von einer im Dschungel wachsenden Tabakpflanze trinken, danach mindestens 2-4 Liter Wasser während der Zeremonie (ca. 2-4h) trinken, welches den Körper im Sinne von übergeben und Durchfall reinigt und auf die kommenden Ayahuasca Zeremonien einstimmt.
„Das wird sicher keinen Spaß machen heute Nacht!“
Mal sehen, was ich morgen nach der Zeremonie zu berichten habe.
Das „reinigen“ (purging) startet in 5 Minuten (19 Uhr).
16.06.2019
Der Tag nach dem „Purging“.
Das „Purging“ wurde gestern um eine Stunde verschoben, da drei Teilnehmer etwas später gekommen sind und somit auch etwas später zu Mittag gegessen hatten.
Also haben Chris (mein schwedischer Bungalowgeselle) und ich beim Aufbau für die Tabak-Zeremonie geholfen.
Kurz vor der Zeremonie sah es dann wie folgt aus:
Für jeden Teilnehmer gab es eine Matratze, ein dreieckiges hohes Sitzpolster zum anlehnen und vor der Matratze gab es für jeden eine Schüssel um sich übergeben zu können ohne sich großartig zu bewegen, ein bisschen Toilettenpapier und eine große Flasche Wasser (3 Liter).
Es waren zwei Kerzen links und rechts des „Altars“ aufgestellt und angezunden. Daneben saß unser Shamane „Niño“.
Neben ihm, hinter den Kerzen waren mehrere shamanistische Werkzeuge für die Zeremonie bereitgestellt.
Unter ihnen auch ein paar einfache Instrumente, wie Trommeln und Rasseln.
Dann füllte sich der Raum mit Teilnehmern des Retreats, die wir alle am Nachmittag schon kennenlernen konnten, und anschließend ging es dann um 20 Uhr mit der Tabakzeremonie los.
Jeder bekam vom Shamanen vor dem Altar sitzend oder kniend einen kleinen, schmalen holzenen Kelch mit dem ungefähren Volumen eines Shotglases (ca. 4cl) überreicht, den sich jeder nacheinander bei Shamanen abholen und in seiner Gegenwart trinken musste.
Das dieses Tabakpflanzen-Gemisch nicht wirklich gut geschmeckt hat, kann man sich vermutlich ganz gut selbst vorstellen.
Ich war der 5. in der Reihenfolge.
Am Anfang war ich sehr besorgt, weil ich einfach nicht der erste sein wollte, der sich übergeben muss.
Auch wenn ich wusste, das jeder früher oder später an der Reihe war die Schüssel zu füllen.
Diese Sorge wurde mir direkt von den ersten zwei Teilnehmern die getrunken hatten abgenommen, da diese ihre Schüssel schon füllten, bevor ich überhaupt trinken konnte.
Dann war also ich an der Reihe das Tabakgemisch zu trinken.
Es war etwas leichter zu trinken als ich erwartet hatte, trotzdem musste man sofort mit Wasser nachspülen um es etwas erträglicher zu machen.
Ähnlich wie bei meiner ersten Erfahrung mit Ayahuasca in Kolumbien, war der Geschmack des Tabakgemisch extrem erdig und rau auf der Zunge.
Fast als würde man eine gute Hand voll Blumenerde mit einem 2/3 vollen Glas Wasser zu einer zähflüssigen brühe zusammen rühren und trinken. (Bitte nicht probieren liebe Kinder, mindestens nicht auf meine Empfehlung!!!)

Direkt nachdem ich getrunken hatte, konnte ich fühlen wie mein Magen/Bauch das „arbeiten“ und das „blubbern“ angefangen hat. Aber ich musste mich nicht gleich übergeben.
Als dann aber nach einer Stunde ungefähr jeder im Raum (12 Teinehmer) an seine Schüssel klammerte und fleißig mit dem „reinigen“ loslegten, aber ich mich als einziger zwar schlecht fühlte, aber mich nicht übergeben musste, war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht.
Es fühlte sich nicht richtig an, dass ich mich als einziger nicht übergeben musste.
Auch wenn es sich blöd anhört, aber man fühlt sich dann sogar in einem Kotz-Kreis als Außenseiter, wenn man als einziger nicht kotzen muss.
Man würde dann schon auch gerne dabei teilnehmen.
Auch wollte ich das Tabakgemisch so schnell wie möglich aus mir heraus haben, weil das der Grund war, warum ich mich so schlecht fühlte.
Ich hatte mehrmals einen ordentlichen Druck im Hals, der mich dazu verleitet hat zu glauben, dass es jetzt gleich auch bei mir losgeht, jedoch zog sich dieser dann wieder zurück.
Während der ganzen Zeremonie hat Niño und seine schwedische Partnerin Josefine abwechselnd mit den Instrumenten gespielt und dazu Lieder gesungen. Die Zeremonie dauerte insgesamt zwei Stunden.
In diesen zwei Stunden habe ich mehr als 3 Liter Wasser getrunken, um den Druck auf meinen Magen immer weiter und weiter zu erhöhen, um mich endlich auch übergeben zu können.
Nach der Zeremonie war meine Schüssel als einzige noch trocken, während andere in der gleichen Zeit 4 Schüsseln bis an den Rand gefüllt hatten.
Für jeden ist das „purging“ komplett anders, genau so wie die Ayahuasca Zeremonie für jeden anders ist.
Ich sollte auch erwähnen, dass sich unser Shamane auch auf das heilen von schweren Krankheiten, wie z.B. Krebs, Tumoren und HIV spezialisiert hat.
Er hat uns auch ein paar interessante Beispiele genannt und uns allen somit Mut gemacht und unsere Sorgen genommen, die jeder der Teilnehmer etwas hatte.
Da ich mich bis zum Ende der Zeremonie nicht übergeben musste, wurde ich eingeladen noch etwas länger mit den zwei zu bleiben und auf den Moment zu warten.
Jedoch geh ich zu diesem Zeitpunkt habe ich mich mehr oder weniger gut gefühlt, das ich mich dazu entschieden habe in den Bugalow zurück zu gehen um zu schlafen.
Im Bungalow angekommen ging es keine 5 Minuten bis ich mich richtig schlecht fühlte und eigentlich nur noch darauf gewartet habe endlich loslegen zu können.
Jedoch blieb meine „Erlösung“ aus.
Über die Nacht, bis zum nächsten morgen bin ich mehrmals aufgestanden, da ich dachte jetzt ist es endlich soweit, stand bis zu 15 Minuten vor der Toilette, zitterte und schwitzte sehr stark, weil es mir soo schlecht ging, dennoch konnte ich mich nicht übergeben.
Das bisschen Schlaf, dass ich bekommen habe war nicht gut, da ich total verrückte Träume hatte… die haben sich ganz anders angefühlt als meine normalen Träume.
So viel mehr… und… komisch… ich bin nicht im Stande das zu beschreiben.
Heute morgen dann, wachte ich an einem wunderbaren Vogelgezwitscher und anderen schreienden Tieren auf. Genau zur richtigen Zeit für das freiwillige Yoga.
Vor dem Yoga habe ich mich immer noch nicht wohl gefühlt und an essen war gar nicht zu denken.
Jedoch hat mir das Yoga so gut getan, dass ich danach sogar etwas hungrig und bereit für das Frühstück war.
Yoga ist wirklich super und sehr gesund.
Nach dem sehr faden Frühstück, dass nur eine Art Getreidebrei war, hatten wir den Rest des Tages zur freien Verfügung.
Wir versammelten uns noch einmal zum Mittagessen.
Am Nachmittag wollten Niño und Josefine vorbei kommen, um mit mir über meinen Grund und meine Motivation zu reden, wie sie es mit jedem Teilnehmer machten um sicher zu gehen, dass jeder die richtigen Gründe für das Retreat hat und um seine Masterplant zu erhalten.
Diese muss vor jeder Mahlzeit eingenommen werden.
Jeder einzelne bekommt eine andere Masterplant und Dosierung vom Shamanen Niño zugewiesen.
Es gab 4 verschiedene Pflanzenmixgetränke, eine Flüssigkeit war eine etwas braune brühe, die andere ziemlich orange.
Beide nicht besonders gut, wie das bei Medizin halt so ist.
Die braune Flüssigkeit war dazu da, um in Kombination mit Ayahuasca das Herz zu öffnen und Gefühle besser zulassen zu können (es hilft einem etwas leichter mit Ayahuasca).
Die orange Flüssigkeit war dazu da um einem bei größeren Fragen ( tieferen Fragen), wie z.B. warum die Menschheit so gewalttätig und Profit-fixiert ist, zu helfen. Oder warum Mutter Natur eine Spezies wie die Menschheit auf diesem wunderbaren Planeten entfesseln konnte, die nur Gewalt und Zerstörung im Blut haben.
Aber das Gespräch kam heute nicht zu Stande.
Aber wir hatten eine sehr schöne Meditationsrunde um 17 Uhr am Nachmittag, welche sehr entspannend war.
Danach hatten wir wieder Freizeit welche die meisten dazu genutzt haben um den heutigen wunderschönen Sonnenuntergang anzuschauen, welcher direkt nach dem Meditieren noch viel beruhigender und schöner war.
Nach dem Abendessen wurde noch etwas geredet und langsam ging einer nach dem anderen ins Bett.



