17.06.2019
Heute Nacht haben Chris und ich so gut geschlafen, dass wir die Glocke für das Yoga um 08:00 Uhr überhört haben und erst um 09:00 Uhr pünktlich zum Frühstück aufgestanden sind.
Am Vormittag haben wir alle als Gruppe den „hauseigenen“ Regenwald etwas erkundet, haben uns von Mosquitos fressen lassen und einiges über die verschiedenen Pflanzen und ihre Eigenschaften gelernt. Es war eine schöne kleine Erkundungstour.

Nach dem Mittagessen hatte ich mein persönliches Gespräch mit „meinem“ Shamanen und seiner Partnerin Josefine (von Schweden), die unter anderem auch als Übersetzer diente.
Wir haben über eine Stunde geredet.
Nicht „nur“ über meine Motivation, warum ich am Ayahuasca Retreat teilnehmen will, sondern auch über andere Dinge um sich besser kennen zu lernen und um einem die Nervosität vor der ersten Ayahuasca Zeremonie in diesem Retreat zu nehmen, welche am heutigen Abend stattfinden wird.
Dann am Ende hat mir Niño (Shamane) dann zwei Masterplants zum personellen Diätplan „verschrieben“, da ich zum einen meine Probleme anderen Menschen nicht vertrauen zu können lösen will, aber auch größere und tiefgreifendere Fragen habe, die nicht „nur“ mich sondern die gesamte Menschheit betrifft, wie z.B. werden wir uns und unseren Planeten töten, oder wird sich der Planet nach uns wieder erholen?
Jetzt ist es fast 17:00 Uhr, was soviel heißt wie Zeit für die Meditations-Runde.
Danach wird der Sonnenuntergang betrachtet und um 20 Uhr startet dann auch die erste Ayahuasca Zeremonie von diesem Retreat.
Auch haben wir heute Nacht einen Vollmond, was eine sehr starke und energiereiche Zeremonie verspricht, oder besser, hoffen lässt.
Morgen weiß ich mehr.

18.06.2019
Als wir dann letzte Nacht in der Maloka versammelt waren, wurden uns noch ein paar Regeln erklärt bevor es mit der Zeremonie los ging.
Zum Beispiel wurde uns erklärt, dass jeder der an der Zeremonie teilnimmt und beginnt, darf nicht vorzeitig zurück zum Bungalow gehen, nur weil er keinen Effekt während der Zeremonie merkt.
Jeder der die Zeremonie anfängt, muss bis zum ende in der Maloka bleiben.
Auf die Toilette konnte man natürlich jeder Zeit gehen, jedoch musste man darauf achten, dass man so schnell wie möglich wieder zurück in die Maloka kommt, da der beschützte Bereich, der vom Shamanen beeinflusst werden kann, nur innerhalb der Maloka ist.
Außerhalb kann Sicherheit nicht garantiert werden.
Als es dann tatsächlich mit der Zeremonie losging wurden wieder Kerzen aufgestellt.
Dieses mal eine an jedem Eingang der Maloka, eine gegenüber des Shamanen auf der anderen Seite des Raumes und zwei direkt am „Altar“ des Shamanen.
Dann wurde eine Tabakpflanze des Dschungels angezunden, zum glühen gebracht und ausgeblasen, um sie richtig zum rauchen zu bringen.
Anschließend lief Josefine, die Partnerin des Shamanen mit der rauchenden Tabakpflanze in einer Schale liegend durch die Maloka und verteilte den Rauch im Raum. Ebenso „schuppste“ sie den Rauch langsam und sanft um jeden einzelnen Teilnehmer der Zeremonie.
Anschließend wurde ein Teilnehmer nach dem anderen zum Shamanen gebeten, um den ersten „Kelch“ des Ayahuasca zu erhalten.
Als erstes wurde einem das Ayahuasca Gemisch vom Shamanen gereicht, welches man trinken musste, direkt im Anschluss wurde einem ein Kelch mit Wasser (um den Geschmack des Ayahuasca erträglicher zu machen) von Josefine überreicht und am Ende gab Sie jedem noch ein sehr gut riechendes Öl, das man in den Händen verreiben musste, um daran riechen zu können, wenn man verspürte sich übergeben zu müssen.
Grundsätzlich war es kein Fehler an seinen Händen zu riechen, da der Geruch den sehr merkwürdigen Nachgeschmack des Ayahuasca’s sehr gut überdeckte.
Das Hauptsächliche Ziel des Öl’s war es, mindestens in den ersten 30 min. nach dem einnehmen des Ayahuasca das übergeben zu verhindern, bzw. den Reiz zu unterdrücken.
Das Ayahuasca musste sich erst richtig im Körper verteilen. Nach diesen ersten 30 Minuten war es theoretisch in Ordnung seinen Bedürfnissen nachzugeben (was sich auch sehr viele Teilnehmer nicht nehmen ließen).
Als dann jeder Teilnehmer das Ayahuasca eingenommen und es sich auf seiner Matratze gemütlich gemacht hatte, wurden die Kerzen ausgeblasen und anschließend wurden von Shamanen ein paar Lieder angestimmt.
Relativ bald danach habe ich mein Zeitgefühl verloren und ich war mir nicht sicher, ob ich wach war oder geträumt habe… es war als vermischte sich beides irgendwann…

Und jetzt kommt der Teil, der richtig schwer zu erklären ist.
Angefangen hat alles mit Hallozinationen an der Decke der Maloka.
Die Streben des Daches wurden zu Käfer, die irgendwie sehr groß und aneinander gehängt waren, bzw. unmittelbar hintereinander/nebeneinander standen, fast wie ein Raupenzug oder eine Ameisenstraße.
Wenn ein Käfer die Richtung geändert hat, haben es alle getan (fast wie ein großer Fischschwarm) und das Dach hat sich dementsprechend im Kreis gedreht.
Krelle Farben hab ich im großen und ganzen in dieser Nacht nicht gesehen, außer einmal als ich mich gestreckt habe und meine Augen zu gedrückt habe.
In dem Moment war plötzlich ein wunderschöner farbenfroher Papageienkopf an der Decke der Maloka, jedoch nur für einen kurzen Moment.
Alle anderen Hallozinationen waren eher in dunklen Grautönen und schwarz zu erkennen.
Die meiste Zeit der Zeremonie habe ich damit verbracht zu verstehen, was was mir irgend jemand ständig in mein Ohr flüsterte.
Jedoch konnte ich kein Wort verstehen.
Des öffteren sah ich auch einen kleinen Schatten, der an mir vorbei gehuscht ist. Ich konnte ihn aber nicht gut genug sehen, damit ich ihn näher beschreiben hätte können.
Klein, ein runder schwarzer Kopf ohne Augen, Nase oder Mund und ich konnte auch keinen richtigen Arme oder Beine erkennen.
Und mir ging das flüstern nicht mehr aus dem Kopf.
Ich konnte absolut nichts verstehen, aber es gab mir das Gefühl, das der kleine Spirit etwas schüchtern war.
Je mehr ich versucht habe zu verstehen, desto weiter weg und undeutlicher war das flüstern.
Am Anfang dachte ich, der kleine Spirit mit zahrter Stimme wollte mich auf die kommenden Zeremonien langsam vorbereiten, je mehr ich aber darüber nachdenke, was gestern Nacht passiert ist, desto mehr habe ich das Gefühl, das der kleine Spirit etwas Angst oder etwas eingeschüchtert von mir war, mir nicht vertraut hat und sich deshalb nicht gezeigt hat.
Er hat es lange Zeit versucht, aber ich konnte ihm wohl nicht (bis zum Ende nicht) die Sicherheit oder das Vertrauen bieten, um sich mir zu zeigen und mit mir zu reden.
Ich hoffe ich kann ihn in der nächsten Zeremonie wieder finden und ihm genug Sicherheit und Vertrauen bieten, um sich dann mit mir zu unterhalten.
Manchmal habe ich diesen Effekt auch bei anderen Menschen, ob ich es will oder nicht, das diese etwas Angst, etwas eingeschüchtert oder verunsichert von mir haben/werden.
Ich weiß bis heute immer noch nicht warum.
Vielleicht ist es meine Größe, meinen Gesichtsausdruck, meine Aura (die vielleicht dunkler ist, als ich angenommen habe), oder etwas ganz anderes.
Vielleicht kann mir der kleine Spirit auch darauf eine Antwort geben, warum das so ist.
Nachdem man sich besser kennengelernt hat, fühlen sich die meisten Menschen um mich herum sehr wohl in meiner Gesellschaft und verraten mir ab und zu, dass sie sich anfangs etwas bedroht oder eingeschüchtert von mir Gefühlt haben.
Was auch sehr schön und großzügig vom Ayahuasca Spirit war, war das ich die „Transformation“ von einer Retreat Teilnehmerin mit anhören durfte.
Einen Abend zuvor hatten wir eine sehr lebhafte Diskussion über, unter anderem Alkoholiker und wie man ihnen am besten helfen sollte.
Die besagte Teilnehmerin hat gleich zwei Alkoholiker in ihrer Familie. Daher hatte sie eine sehr starke Meinung zu diesem Thema:
„Sie sind selbst in das Loch reingefallen, sie wollten keine Hilfe annehmen und jetzt müssen sie alleine wieder aus dem Loch heraus klettern.
Wenn sie dann Hilfe brauchen oder wollen, gibt es eine Telefonnummer und ausgebildete Menschen die sehr gut Helfen können.
Jedoch sie, als Familienmitglied wird ihre Zeit nicht immer wieder und wieder verschwenden jemandem zu helfen, nur damit er bei der nächsten Schwierigkeit zurück in das Loch klettert und eigentlich keine Hilfe will.“
In der heutigen Nacht wurde diese Person vom Ayahuasca so lange bewegungsunfähig gemacht, bis sie akzeptiert hat, dass sie den ersten Schritt machen muss.
Ich habe mitangehört, wie sie sagte: „Ahh….ok… ok ok… dann werde ich versuchen…. ah, nein nein nein, ich werde, ich WERDE ihn anrufen und auf ihn zugehen.“
Wir wollen hier nicht darüber reden, ob diese Sichtweise richtig oder falsch ist, hier geht es nur um aufzuzeigen wie es Ayahuasca schaffen kann in nur einer Nacht die Sichtweise einer Person komplett zu verändern.
Für mich war es auf jeden Fall sehr schön zu hören, dass sie es anscheinend endlich verstanden hatte.
Mehrere Teilnehmer hatten nämlich am Abend zuvor versucht, ihr genau das zu erklären und keiner konnte sie im Ansatz davon überzeugen.
Danach näherte sich die Zeremonie auch langsam dem Ende und der Shamane und seine Partnerin starteten das abschließende Ritual um alle wieder zurück zu holen.
Erst sprühte die Partnerin des Shamanen das Duftöl mit dem Mund erst auf unsere Hände, dann nebelte sie uns damit ein und am Ende sprühte sie unseren Kopf damit ein (kaum spürbar auf der Haut, aber man konnte es definitiv riechen).
Danach kam der Shamane zu einem, blaß natürlichen Tabakrauch von einer selbst gerollten Zigarette auf meine Hände, um meinen Kopf und meinen Körper.
Anschließend, wenn man es nicht schon vorher gemacht hatte, musste man seine Augen schließen, während der Shamane ein kleines Feuer auf einer Untertasse anzündete und mehrmals damit sowohl um den Kopf, als auch um den Körper herum ging.
Dann hat er sich mit „Gracias, Hermano Ralph“ bedankt und ist zum nächsten gegangen.
Nachdem der Shamane mit allen Teilnehmern durchgekommen war, war die Zeremonie mehr oder weniger zu Ende.
Bei dieser Zeremonie musste ich mich überraschenderweise nicht übergeben und hatte auch keinen Durchfall. Aber inklusive mir mussten relativ viele Teilnehmer vergleichsweise oft furzen.
Sicher um einiges angenehmer als als die anderen Optionen.
Seitdem ich heute Nachmittag beim Meditieren war, wurde ich etwas bedrückt, weil ich mir wirklich nicht erklären kann, warum sich der kleine Spirit nicht getraut hat mit mir zu reden.
Ich hoffe er kann mir das in der morgigen Zeremonie etwas erklären.
Des weiteren hoffe ich, dass er mir morgen genug vertraut, um mit mir zu reden.
Ich musste heute ständig an den kleinen Spirit denken.
Yoga war heute keines, da wir gestern Abend die Ayahuasca Zeremonie hatten. Morgen findet es wieder statt.
Ebenfalls haben wir morgen die Möglichkeit bei dem Herstellen des Ayahuasca Gemisch zu helfen.
Um 07:30 Uhr morgens wird es losgehen. Das wird sicher super interessant.

Vielleicht habe ich auch die falschen Fragen gestellt.
Ich wollte eine Antwort auf die Frage wer ich eigentlich bin und wie ich anderen Menschen wirklich wieder vertrauen kann.
Vielleicht weiß ich schon, wer ich wirklich bin und brauche deswegen keine Antwort auf diese Frage mehr, da ich mich wirklich gut kennen gelernt habe, nach all den Jahren reisend und alleine um die Welt ziehend.
Und im großen und ganzen Vertraue ich den „normalen“ Menschen um mich herum ja auch.
Nur wenn es um richtiges Vertrauen mit Menschen in meinem engeren Umfeld geht, von denen ich wirklich verletzt werden könnte geht, habe ich ein Vertrauensproblem.
Sobald ich die letzten Schutzwände abreiße, bin ich schutzlos ausgeliefert und wirklich verletzlich.
Und ich habe mir eigentlich geschworen nie wieder so verletzlich zu werden, als ich es damals war, als ich mir fast das Leben genommen habe.
Ich möchte nie wieder so schutzlos ausgeliefert sein, jedoch möchte ich auch ohne Sorgen lieben und vertrauen können.
Beides zur gleichen Zeit funktioniert aber natürlich nicht.
Vielleicht kann mir Ayahuasca beide Wege zeigen, damit ich mich endlich entscheiden kann.




