408-jähriges Jubiläum in San Jose und zweite Ayahuasca Zeremonie
30.04.2024
Heute Morgen hatten wir wieder einen sehr entspannten Vormittag mit Frühstück und Mittagessen.
Vor dem Mittagessen haben wir noch einen kleinen Spaziergang im Dschungel gemacht und uns von Niño ein paar wachsende Ayahuasca-Lianen zeigen lassen.
Wir haben uns dazu ein paar Sachen und Fakten angehört.
Es war ein schöner kleiner Spaziergang, auch wenn es für meinen Papa sehr anstrengend war.
Der Kreislauf hat ein bisschen schlappgemacht, und aufgrund dessen ist er auch ein paar Mal hingefallen.
Ich habe ihm so gut es ging geholfen, aber das Knie hat er sich trotz allem aufgeschrammt.
Nachdem wir uns von dieser Anstrengung erholt hatten, gab es schon etwas zum Mittagessen.
Wir waren noch nicht ganz fertig mit Essen, als wir informiert wurden, dass das Taxi schon da ist, welches uns auf die Jubiläumsfeier eines sehr alten Dorfes fahren würde.
Das Dorf hatte sein 408-jähriges Jubiläum.
Der Name des Dorfes war „San José” und liegt tief im Dschungel, welches wirklich schwer zugänglich ist.
Wenn es nur ein oder zwei Tage regnet, ist die Straße zum Dorf schon nicht mehr befahrbar.
Es war ein sehr lokales Event, welches hauptsächlich für Locals gedacht war, nur aus dem Grund, dass sich normalerweise fast kein Außenstehender dorthin verirrt.
Niemand dort hat damit gerechnet, ein paar Gringos wie uns zu sehen.
Das haben wir recht schnell gesehen bzw. bemerkt.
Wir hatten die Gelegenheit nur, da uns Niño und seine Brüder dorthin mitgenommen haben.
Das wurde spätestens dann klar, als der Ortsvorsteher sich persönlich mit Händedruck bei jedem von uns vorstellte und uns herzlich willkommen geheißen hat.
Von ihm wurden wir auch mit Mikrofon und Lautsprecher noch einmal vor dem gesamten Dorf vorgestellt und willkommen geheißen.
Was etwas zu viel für meinen Geschmack war, aber was auch nur gezeigt hat, wie besonders und bisher noch einzigartig das für das ganze Dorf war.
Die Fahrt dorthin dauerte circa 1,5 Stunden, und als wir dort ankamen, mussten wir noch eine Weile warten, da wir einfach etwas zu früh dort waren.
Zum Vergleich: Rurrenabaque selbst ist gerade mal 163 Jahre alt, aber ist schneller gewachsen aufgrund von Zugänglichkeit und geografischer Lage.
Man kann sich die Feierlichkeiten ein kleines bisschen wie einen kleinen lokalen Karneval vorstellen, mit drei oder vier unterschiedlichen Gruppen, die durch die Hauptstraße getanzt sind und ihre Heiligen der Kirche geehrt haben.
Mit Fanfarenzug!
Es war etwas sehr Schönes und Besonderes für uns, zu so einer Feierlichkeit dabei sein zu dürfen.
Am Ende mussten wir uns dann recht zügig auf den Rückweg ins Retreat machen, da wir am Abend auch unsere zweite Ayahuasca-Zeremonie hatten.
Als wir zurück waren, bin ich direkt noch in die Dusche gesprungen, um mich für die anstehende Zeremonie zu säubern und gut vorbereitet zu sein.
Um kurz vor 21:00 Uhr haben wir uns in der Maloka versammelt, es uns gemütlich gemacht und sind die Regeln noch einmal durchgegangen, bevor wir das Ayahuasca gereicht bekommen haben.
Nachdem wir es uns dann wieder gemütlich gemacht haben, ging es auch nicht lange, bis ich die ersten Effekte gespürt habe.
Vorweg muss ich aber sagen, dass diese Nacht noch weniger intensiv war als in der ersten Zeremonie.
Alles, was ich in den kommenden Sätzen beschreiben werde, war nur sehr schwach und kaum spürbar.
Aber es reicht, um ein paar Gedanken zusammenzuschreiben.
Mir sind kurz vor der Zeremonie in der Maloka schon ein paar Spinnen an der Decke aufgefallen, welche sich mir während der Zeremonie immer wieder in irgendeiner Form gezeigt haben oder zu spüren waren.
Entweder hatte ich das Gefühl, als würden sie über mich krabbeln, mich beißen oder große Schattenbildungen haben.
Ausgesehen hat es wie große tanzende Spinnen.
Aber alles kaum spürbar bzw. kaum sehbar.
Man brauchte dafür schon recht viel Vorstellungskraft.
Ich hatte sehr viele Gedanken im Kopf, konnte aber keinen zu Ende denken, bevor sich ein neuer anbahnte.
Immer wieder hatte ich meinen Papa wahrgenommen, welcher nicht ganz so intensive Krämpfe hatte wie in der ersten Nacht, aber durchaus noch einiges an Arbeit zu tun hatte.
Niño hat sich auch wieder sehr intensiv und erfolgreich mit ihm beschäftigt, was mich auch sehr gefreut hat.
Ich konnte zum Beispiel mal beobachten, wie Niño einen „Spirit” aus meinem Papa gezogen hat und mitten in der Maloka mit ihm geredet und diskutiert hat, bis er ihn aus der Maloka vertrieben hatte.
Den „Spirit” selbst habe ich nicht gesehen, aber es war eindeutig zu erkennen, dass Niño mit einem oder mehreren „Spirits” geredet und diskutiert hat.
Zu einem dieser Momente hatte ich das Gefühl, dass der Krebs von meinem Papa jetzt vollkommen bzw. fast vollkommen aus meinem Papa verbannt wurde.
Mein Papa selbst hat gesagt, dass seine Arbeit noch nicht ganz zu Ende ist, aber dass er auf dem richtigen Weg ist und es bald geschafft hat, den Krebs aus seinem Körper zu verbannen.
Ich selbst war in dieser Nacht bzw. Zeremonie ein bisschen schreckhaft und bin das ein oder andere Mal ziemlich erschrocken.
Zum Beispiel, als Niño immer wieder fest auf den Boden gestampft hat.
Die Lieder und Melodien in dieser Nacht waren auch ganz besonders schön.
Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich etwas enttäuscht darüber war, in dieser Zeremonie Ayahuasca nicht ganz so intensiv gespürt oder wahrgenommen zu haben.
In der ersten Zeremonie war das Ayahuasca bereit, aber ich nicht, und jetzt, in der zweiten Zeremonie, war ich bereit, aber das Ayahuasca nicht.
Ich hatte auch recht viele leicht negative Gedanken über mich selbst und über das Leben.
Zum Beispiel, dass ich mich vielleicht doch besser emotional von der Welt abwenden soll, ein bisschen härter werden und nicht alles akzeptieren muss, was von mir oder eher von der Gesellschaft versucht wird, einem aufzudrücken.
Man muss nicht alles annehmen und tolerieren, was einem versucht wird, weißzumachen.
Das Leben ist hart und nichts für die Schwachen.
Menschen sind sehr schwer zu verstehen.
Sie haben die Gesetze der Natur vergessen und wenden sich mehr und mehr von ihr ab, was ein großer Fehler sein wird, wenn das so weitergeht.
Da mich niemand beschützt bzw. beschützen kann, muss ich mich selbst darum kümmern und Stärke zeigen bzw. Führung in meinem Leben übernehmen.
Und für andere ein starker Pfeiler werden.
Ich habe die Kraft dazu, die Schwächen, Ängste und Sorgen anderer auf mich zu nehmen und trotzdem gerade zu laufen und durchs Leben zu gehen.
Vielleicht war auch das, was mir Ayahuasca mit ihrer Abwesenheit heute Nacht vermitteln wollte.
Da ich schon sehr gehofft habe, dass mir Ayahuasca und Mutter Natur wieder helfen würden, wie das letzte Mal, mich im Leben zurechtzufinden.
Ich kann mich mittlerweile selbst sehr gut durchs Leben navigieren und habe das Leben und unsere Gesellschaft recht gut durchschaut.
Das ist mein gedanklicher Prozess, der in dieser Nacht stattgefunden hat.
Ich bin gespannt darauf, was die nächsten Tage und Zeremonien mit sich bringen werden.
Auch Niños Hund hat in dieser Nacht viele Geister vertrieben und aus der Maloka und vom Grundstück vertrieben.
Unglaublich, was Montesuma (Niños Hund) für ein feines Gespür hat.
01.05.2024
Heute war unser Tag wieder super entspannt.
Wir haben den ganzen Tag im Retreat-Center verbracht.
Ich bin noch ein bisschen herumgelaufen und habe versucht, ein paar schöne Fotos zu machen.
Das Essen war auch wieder sehr lecker.
Am Abend haben wir uns um 20:00 Uhr alle wieder in der Maloka versammelt, um über das Erlebte in der vergangenen Nacht zu reden.
Das Interessante daran war, was Niño über meinen Vater bzw. seinen Krebs erzählte.
In der letzten Nacht hat Niño viel mit dem Geist des Krebses diskutiert und hat uns dann berichtet, dass der Krebs eine sehr intelligente Lebensform ist.
Diese will nicht einfach so aus meinem Papa verschwinden, da es den Tod des Krebses bedeuten würde, und dieser hat ebenfalls den Drang zum Überleben, wie wir alle ihn haben.
Demnach hätte er den Körper meines Vaters verlassen, wenn er auf einen anderen Host bzw. Körper hätte springen können, um sein Überleben zu sichern.
Das hat Niño aber nicht zugelassen und hat ihm verboten, auf einen anderen Körper zu springen.
Niño hat ihm klargemacht, dass er nicht auf ihn, seine Brüder, die anderen Teilnehmer und auch nicht auf seinen Hund springen darf.
Niño hat auch gemeint, dass noch etwas Arbeit auf ihn, meinen Papa und auf das Ayahuasca zukommen wird, um den Krebs komplett zu besiegen und aus seinem Körper zu lösen bzw. zu löschen.
Man muss schauen, dass man den Krebs vollständig vernichtet, damit er eben nicht auf andere überspringt.
Das war sehr interessant zu hören, weil ich erwähnt hatte, dass ich eine lautstarke Diskussion zwischen Niño und einem Spirit, den er aus meinem Papa gezogen hat, mitbekommen habe.
Das muss wohl dieser Moment gewesen sein.
Viele, die dies hier lesen, werden sich das nie vorstellen können, wenn sie es nicht selbst am eigenen Körper erleben und diese Erfahrung machen wollen.
Und das ist auch okay.
Ayahuasca ist nicht unbedingt für jeden etwas, und jeder sollte für sich selbst entscheiden, diese Art von Behandlung zu versuchen oder eben nicht.
Andere wiederum setzen sehr große Hoffnung und großes Vertrauen in Ayahuasca und begeben sich selbst in ihre Welt, um sich ein Bild von Ayahuasca zu machen.
Nachdem unsere Runde dann geschlossen wurde, ging es dann recht zeitnah ins Bett.




