Ankunft und Tabak Zeremonie
21.04.2024
Nachdem uns die Mama heute nach München an den Flughafen gefahren hat, ging unsere Reise nach Bolivien los.
München – Frankfurt – Bogota – La Paz.
Endlich in La Paz angekommen, wurde uns direkt am Flughafen erklärt, dass unsere Rucksäcke noch in Deutschland sind.
An sich war das kein Problem, weil sie uns versicherten, dass unser Gepäck mit dem nächsten Flug in La Paz ankommen wird.
Es würde uns dann direkt ins Hotel gebracht werden.
Jetzt mussten wir nur hoffen, dass das auch stimmte.
Wir sind am 22.04.2024 um circa 02:00 Uhr nachts in La Paz angekommen.
22.04.2024
Papa und ich verweilten noch einige Stunden am Flughafen, da wir für die erste Nacht (vom 21. auf den 22.04.) keine Unterkunft gebucht hatten.
Wir haben somit einfach nur ein paar Stunden im Flughafen verbracht, bis die Sonne aufging.
Für die kommenden zwei Nächte, vom 22.04. bis zum 24.04., haben wir uns ein schönes, kleines Hotel gebucht (Hotel Diamante Azul).
Den Höhenunterschied haben wir beide sofort gespürt.
Auch wenn El Alto (4150 Meter) etwas höher liegt als La Paz (3650 Meter), mussten wir selbst in La Paz ordentlich schnaufen, um unseren Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.
Ganz besonders hatte mein Papa mit der Höhe zu kämpfen.
Verständlicherweise!
Jedenfalls haben wir nach unserem Check-in im Hotel Diamante Azul etwas die Stadt erkundet.
Dabei sind wir am Plaza in eine Reinigungszeremonie einer Veranstaltung gestolpert, bei der ein Schamane die Zeremonie für „Pacha Mama” gehalten hat.
Ein perfekter Einstieg in die bolivianische Kultur für meinen Papa.
Danach haben wir uns etwas Leckeres im „Café del Mundo” zum Essen bestellt.
Es hat mich sehr überrascht, wie gut ich mich noch in Bolivien auskenne.
Das war erstaunlich, da ich vor über fünf Jahren das letzte Mal zu Besuch war!
Den Rest des Tages haben wir recht gemütlich verbracht, um uns nicht gleich am ersten Tag zu verausgaben.
Es war für meinen Papa schon anstrengend genug.
Er ist auch sehr früh und schnell eingeschlafen.
23.04.2024
Heute Vormittag haben wir uns in der Stadt direkt ein Flugticket für Rurrenabaque gekauft, welches für uns beide zusammen circa 1400 Bolivianos gekostet hat.
Abflug ist morgen am 24.04.2024 um 08:00 Uhr.
Wir hatten natürlich Glück, so kurzfristig noch zwei Plätze zu bekommen.
Am Nachmittag haben wir die Zeit genutzt, um mit der Teleférico zur „Valle de la Luna” zu fahren und uns dieses kleine Naturwunder anzusehen.
Da es von der Teleférico nicht mehr ganz so weit bis zur „Valle de la Luna” war, haben wir uns für 25 Bolivianos ein Taxi genommen, welches uns direkt am Eingang absetzte.
Der Ausflug war wunderschön, wobei er für den Papa wirklich anstrengend war.
Er hat es zwar auch sehr genossen, aber er hatte einfach sehr mit der Höhe zu kämpfen.
Ich habe während dieses Ausflugs auch mitbekommen, warum das „Tal des Mondes” seinen Namen bekommen hat.
Vor einigen Jahren hat Neil Armstrong – JA, DER NEIL ARMSTRONG!!! – diesen Ort ebenfalls besucht und erwähnt, dass es dort fast wie auf dem Mond aussieht.
Und wenn es irgendjemand weiß, dann er, der selbst schon auf dem Mond war.
So kam dann der Name „Valle de la Luna” zustande.
Auf dem Rückweg mit der Teleférico hatte ich ein wirklich tolles und langes Gespräch auf Spanisch mit einem Bolivianer.
Ganz unerwartet und einfach toll!
Zurück in der Stadt war mein Papa dann an seiner absoluten Grenze.
Körperlich und mental.
Deshalb haben wir noch einen leckeren Reis mit Gemüse in einem schönen kleinen Restaurant gegessen, welches ich schon kannte.
Das war, wie immer dort, sehr lecker.
Danach haben wir den Abend mit ein paar Früchten ausklingen lassen und uns auf unseren anstehenden Flug nach Rurrenabaque vorbereitet.
Es war ein super Tag, der uns beiden noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Heute Morgen haben wir uns um 05:45 Uhr auf den Weg zum Flughafen gemacht, da unser Flug eigentlich um 08:00 Uhr hätte abfliegen sollen.
Da aber das Wetter in Rurrenabaque so schlecht war, dass dort der gesamte Flughafen zeitweise geschlossen wurde, wurde unser Flug um circa zwei Stunden verschoben.
Als es dann so weit war, hatten wir trotz allem einen sehr ruhigen Flug und waren nach knapp 45 Minuten schon in Rurrenabaque.
Wir haben in La Paz noch eine Unterkunft für Rurrenabaque gebucht, sodass wir eine stressfreie Ankunft in Rurrenabaque hatten.
Auch eine sehr schöne Unterkunft mit toller Dachterrasse!
24. bis 26.04.2024
Die kommenden Tage haben wir damit verbracht, uns zu entspannen und uns mental auf unser kommendes Retreat vorzubereiten.
Außerdem haben wir ein paar organisatorische Dinge mit unserem Schamanen geklärt.
Wir haben jeden Tag ein paar kleine Spaziergänge gemacht und Kleinigkeiten gegessen (immer auf die Diät angepasst natürlich und, für den Moment jedenfalls, immer im gleichen Restaurant).
Somit haben wir auch die ein oder andere Bindung mit den Locals aufgebaut, was jedes Mal aufs Neue etwas Schönes ist.
Und natürlich haben wir auch sehr viel Zeit auf der Dachterrasse in den Hängematten entspannt.
Es ist wirklich schwer, einfach an den leckeren Essensständen und Restaurants vorbeizulaufen, ohne etwas zu kaufen.
Rurrenabaque und die Umgebung drumherum ist einfach wunderschön.
Mitten im Dschungel fühle ich mich einfach zu Hause.
Auch wenn mein eigentliches Zuhause über 10.000 Kilometer weit weg ist.
Der Amazonas, die Lunge unseres Planeten, zieht mich einfach magisch an.
Die Energie hier, die Natur und die Kultur ziehen mich jedes Mal in ihren Bann.
Morgen, am 27.04.2024, werden wir von unserem Schamanen Niño abgeholt.
Wir sind beide natürlich etwas nervös, freuen uns aber total auf die anstehenden Tage und Erfahrungen, die sie mit sich bringen werden.
Niño freut sich auch sehr darauf, mich wiederzusehen und meinen Papa kennenzulernen.
27.04.2024
Heute Vormittag, um 09:00 Uhr, hatten wir ein sehr positives und herzerwärmendes Wiedersehen mit Niño nach über fünf Jahren.
Wir haben uns beide sehr gefreut, uns nach so langer Zeit wiederzusehen.
Im gleichen Zug habe ich Niño meinen Papa vorgestellt.
Nach dem kurzen, aber herzlichen Vorstellen bzw. Wiedersehen haben wir dann unsere Rucksäcke aufs Autodach geschnallt und uns beim Rest der Crew vorgestellt.
Eine weitere Teilnehmerin war ebenfalls dabei.
Ihr Name ist Sophie und sie kommt aus Norwegen.
Alle zusammen haben wir uns dann mit dem Taxi auf den Weg in das „Casa de Pawua” Retreat-Center von Niño gemacht, welches ein kleines Stück hinter dem kleinen Dorf Tumupasa liegt.
Dort angekommen, hat Niño uns dann seinen beiden Brüdern, Chiqui und Arnold, vorgestellt und uns eine kleine Tour durchs Retreat-Center gegeben, bevor es eine Kleinigkeit zum Mittagessen gab.
Danach konnten wir noch ein paar Stunden nutzen, um die Gegend ein wenig zu erkunden, zu entspannen oder unsere Gedanken zu sammeln, bevor es dann um 20:00 Uhr mit der Tabakzeremonie losging.
Tabak Zeremonie
Als wir uns dann um 20:00 Uhr in der Maloka versammelt hatten und uns auf unserer Matte niedergelassen hatten, ging es auch recht zeitnah mit der Zeremonie los.
Neben uns standen eine Schale zum Übergeben, etwas Klopapier und ein großer 2,5-Liter-Wasserkrug zum Trinken.
Wir hatten es uns bequem gemacht.
Da ich aufgrund meiner letzten Tabak-Zeremonie weiß, dass es wirklich wichtig ist, dass man sich übergibt, habe ich mit meinem Papa auch sehr intensiv zuvor noch gesprochen, um ihn auf alles Kommende gut vorzubereiten.
Man muss sich übergeben, um dem Körper alle schädlichen Stoffe, die noch – auch nach der Diät – im Körper verweilen, vollständig zu verbannen und abzustoßen.
Da ich mich selbst bei meiner letzten Tabak-Zeremonie nicht übergeben musste, weiß ich, wie schlecht man sich nach der Zeremonie fühlt, wenn man sich nicht übergeben hat bzw. konnte.
Mit diesem Bewusstsein im Kopf habe ich mich dann sehr bemüht, dieses Erlebnis nicht noch einmal durchzumachen.
Ich weiß von damals noch, dass ich mir versucht habe einzureden, dass ich „nur” nicht der Erste sein wollte, der sich übergibt.
Das Ergebnis war, dass ich mich eben gar nicht übergeben konnte bzw. habe.
Dieses Mal habe ich es komplett umgedreht.
Ich habe zu mir selbst gesagt, dass es mir dieses Mal gar nichts ausmacht, wenn ich mich als Erstes übergeben muss, solange ich mich wenigstens übergeben kann.
Ich wollte nicht noch einmal das durchmachen, was ich damals durchmachen musste.
Mit diesem Hintergrund bin ich also in die Tabak-Zeremonie gegangen.
Die Tabak-Zeremonie wurde von Niños beiden Brüdern gehalten, welche das sehr professionell gemacht haben und tolle Lieder gesungen und gespielt haben.
Im Laufe der Zeremonie habe ich insgesamt circa 8,5 Liter Wasser getrunken, mich 35-mal übergeben (beim letzten Mal nur noch ein bisschen) und nach jedem Mal weitergetrunken, bis Niños Brüder irgendwann gesagt haben, dass ich aufhören kann mit dem Wassertrinken.
Auch wenn es sich jetzt so anhört, als wäre es recht leicht gewesen, kann ich versichern, dass es das nicht war.
Es war trotz allem eine recht schwere Geburt.
Meinen Papa musste ich immer wieder daran erinnern, mehr Wasser zu trinken, worauf er immer wieder meinte, dass er doch schon so viel Wasser getrunken hat.
Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein.
Aber meine Antwort war dann immer, dass er aufhören kann mit dem Trinken, sobald er sich übergeben hat.
Also war er schön brav und hat weitergetrunken.
Bis es dann irgendwann tatsächlich auch noch bei ihm so weit war.
Wobei Niños Brüder sich offensichtlich auch gewundert haben, dass es bei meinem Papa so lange dauerte.
Was kann ich sagen, außer dass wir in der Familie einen sehr stabilen Magen haben.
Ach ja, ich sollte noch erwähnen, dass ich dieses Mal tatsächlich der Erste war, der sich übergeben hat!
Juhu!
Mein Ziel habe ich also erreicht.
Nach circa 2,5 Stunden war dann alles vorbei und die Zeremonie langsam beendet.
Es war eine harte, aber sehr nötige Zeremonie, um für die kommenden Tage gut vorbereitet zu sein.
In dieser Nacht mussten alle, die die Zeremonie mitgemacht haben, alle 30 Minuten zum Pinkeln und/oder andere Geschäfte erledigen.
Was natürlich eine recht unruhige Nacht mit sich brachte!




