Ausflug in die Pampas und erste Ayahuasca Zeremonie
28.04.2024
Nach dem Frühstück und einer unruhigen Nacht haben wir uns ziemlich schnell auf den Weg nach Santa Rosa gemacht, um einen kleinen Bootsausflug in die bekannten Pampas zu machen.
Ungefähr 3,5 Stunden Fahrt lagen vor uns pro Strecke.
Bevor es aber auf den „Rio Yacuma” mit dem Boot ging, gab es in Santa Rosa noch eine leckere Hühnersuppe mit Reis, Fisch und Gemüse zum Mittagessen.
Als wir dann auf dem Boot waren und uns während der Fahrt einen brutalen Sonnenbrand eingefangen haben, haben wir viele schöne Pflanzen und auch viele tolle Tiere gesehen.
Viele verschiedene Vögel und Schmetterlinge, pinke Delfine, einige heimische Schildkröten, ein vermuteter Kaiman und recht viele Affen, welche von uns ein paar Bananen bekommen haben.
Da der Wasserstand zwei bis drei Meter über dem normalen Pegel war, gab es leider keine Sandbänke, welche die Krokodile normalerweise zum Sonnetanken benutzen.
Deshalb waren keine Krokodile zu sehen.
Waren alle unter Wasser!
Trotzdem ist Niño mit seinem Hund für einen kurzen Moment vom Boot ins Wasser gesprungen, um sich etwas abzukühlen.
Ist aber wegen der Krokodile schnell wieder mit seinem Hund herausgeklettert.
Es war ein wirklich schöner Ausflug, und als wir wieder an Land waren, mussten wir uns auch schon recht zügig auf den langen Rückweg machen, da wir ja am Abend unsere erste Ayahuasca-Zeremonie hatten.
Als wir dann zurück im Retreat-Center waren, hatten wir noch ungefähr zwei Stunden zum Entspannen, bevor es dann um 20:30 Uhr mit der Zeremonie losging.
Während dieser Zeit konnte ich noch ein paar Sachen mit meinem Papa besprechen, was auf ihn zukommen wird.
Mein Papa hatte selbst noch die ein oder andere Frage, welche ich ihm beantworten konnte.
Als wir uns dann um 20:30 Uhr in der Maloka versammelt hatten, ging es auch recht zeitnah los, um die Regeln noch einmal anzusprechen und durchzugehen.
Dann ging man nach und nach (einer nach dem anderen) vorne am Altar des Schamanen, um den Becher Ayahuasca zum Trinken zu bekommen.
Man bekam auch ein Glas Wasser zum Hinunterspülen gereicht.
Danach gab es direkt noch einmal einen Becher Ayahuasca mit einem weiteren Glas Wasser zum Hinunterspülen.
Anschließend bekam man das gut riechende Öl in die Hände zum Verreiben, um daran immer wieder zu riechen, wenn der Reiz zum Übergeben etwas zu groß werden würde.
Dann durfte man langsam und vorsichtig wieder zurück an seinen Platz gehen und es sich wieder gemütlich machen.
Anschließend war es Zeit für die nächste Person, um an den Altar des Schamanen zu kommen.
Als dann jeder sein Ayahuasca erhalten hatte und zurück an seinem jeweiligen Platz war, kehrte für eine gewisse Zeit Ruhe ein.
Dann fing der Schamane Niño an zu singen und auf seinen Instrumenten zu spielen.
Es war eine sehr schöne Atmosphäre.
Seine Brüder haben auch immer wieder ein paar Melodien gespielt.
Als ich also wieder an meinem Platz war, habe ich mich mit geschlossenen Augen auf den Rücken gelegt und mich ein wenig versucht darauf zu konzentrieren bzw. zu fokussieren, was ich für Intentionen für diese Zeremonie habe.
Dies hat nur mehr oder weniger gut funktioniert, da ich relativ schnell gemerkt habe, dass meine Gedanken bei meinem Papa sind.
Ich bat Ayahuasca lieber darum, dass sie sich gut um meinen Papa kümmert, und ich verzichte gerne dafür auf meine eigene Erfahrung mit Ayahuasca für diese Nacht.
Ich konnte mich auch recht schnell auf das Ayahuasca einlassen.
Die ersten Effekte machten sich schon leicht bemerkbar, bis ich dann mehr und mehr das Schluchzen meines Papas bemerkte.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir dann zum ersten Mal in dieser Nacht etwas Sorgen um meinen Papa gemacht.
Gleichzeitig hat sich bei mir dann auch das zunehmende bzw. anbahnende Gefühl und die Effekte von Ayahuasca wieder etwas zurückgezogen, sodass ich mich etwas besser auf meinen Papa konzentrieren bzw. achten konnte.
Währenddessen habe ich Ayahuasca immer wieder gebeten, auf meinen Papa aufzupassen.
Als dieser sich wieder etwas beruhigt hatte und ich ein leichtes Kichern wahrnehmen konnte, war ich wieder etwas beruhigter, sodass ich mich bei Ayahuasca bedankt habe und ich mich wieder eher fallen lassen konnte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, wie intensiv die Nacht und die Zeremonie für meinen Papa weitergehen oder werden würde.
Ayahuasca hat immer wieder versucht, mich in ihren Bann zu ziehen und mit auf eine Reise zu nehmen.
Ich konnte mich aber, um ehrlich zu sein, nicht wirklich fallen lassen.
Ich bedanke mich auch sehr herzlich bei Ayahuasca, dass sie den Respekt und das Verständnis hatte, sich etwas im Hintergrund aufzuhalten, während ich mich auf meinen Papa konzentriert habe.
Ich war auf jeden Fall unter dem Einfluss von Ayahuasca, und immer wieder hat sie versucht, mich in ihre Welt zu begleiten.
Jedoch war das nicht sehr leicht, da es meinem Papa zunehmend schlechter ging.
Dann hatte er auch noch einen Punkt erreicht, an dem er angefangen hat, immer schwerer und unregelmäßiger zu atmen.
Zusätzlich hat dann sein ganzer Körper angefangen zu krampfen, ganz besonders in der Bauchgegend.
Er hat viel gezuckt, und der Schamane und beide seiner Brüder haben sich sehr intensiv mit meinem Papa beschäftigt.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir wirklich große Sorgen gemacht.
So groß, dass ich nicht mehr weiter auf meiner Matte liegen bleiben konnte und zu meinem Papa und zu unserem Schamanen rüberrutschen musste.
Als ich Niño dann darauf angesprochen habe, ob alles in Ordnung ist oder ob ich ihm helfen kann, hat er mir versichert, dass das zwar eine sehr starke, aber normale Reaktion meines Vaters ist und dass ich mir keine Sorgen machen muss.
Er hat mir erklärt, dass das Ayahuasca meinen Papa unterstützt, um die schlechte und kranke Energie aus meinem Vater zu verbannen.
Ich habe meinem Papa einfach immer weiter über den Rücken gestreichelt und ihm emotionale und mentale Unterstützung geboten.
Irgendwann hat er mich am Arm gepackt und mir gesagt, dass es sich anfühlt, als würde er mit der Unterstützung von Ayahuasca gegen den Krebs in ihm kämpfen.
Daraufhin habe ich ihm dann gesagt, dass er in dem Falle auch schauen soll, dass er auch als Gewinner hervorkommt.
Das hat mich dann ein wenig beruhigt, und ich habe immer wieder daran gedacht, dass man Ayahuasca einfach vertrauen muss.
Trotzdem konnte ich nicht einfach wieder zurück auf meine Matte gehen und meinen Papa seinem „Schicksal” überlassen.
Er hatte ein richtig schlechtes Gewissen mir gegenüber, weil ich mich doch hätte auf mich konzentrieren sollen.
Ich habe ihm immer wieder versichert, dass wir seinetwegen und seiner Gesundheit hier sind und alles andere nicht so wichtig ist.
Er soll sich auf sich konzentrieren, und ich passe so gut es geht auf ihn auf, natürlich mit den Schamanen.
Viel konnte ich ja nicht machen, außer eine mentale Unterstützung zu sein.
Als mein Papa die ersten zwei oder drei Mal aufs Klo musste, habe ich ihn erstmal alleine mit Niño und seinen Brüdern gehen lassen.
Zu dieser Zeit konnte ich mich dann wieder ein bisschen auf mich konzentrieren und mich ein bisschen entspannen.
Einmal hat es Ayahuasca auch fast geschafft, mich durch die Eingangstore in ihre Welt zu begleiten bzw. zu geleiten.
Ich habe für einen kurzen Moment ein paar sehr schöne und farbenfrohe Halluzinationen gesehen, bevor ich mir wieder Sorgen um meinen Papa machte, weil er dann doch schon wieder etwas länger als normal auf dem Klo war.
Somit habe ich mich dazu entschieden, wieder umzudrehen und nicht mit Ayahuasca durch ihre Tore zu gehen.
Wie gesagt, Ayahuasca war sehr verständnisvoll und respektvoll und hat mir die Wahl überlassen, wie ich mich entscheide.
Als ich dann gesehen habe, dass Niño und seine beiden Brüder mit einem großen und mittelschweren Mann ordentlich zu kämpfen hatten, habe ich mich dazu entschieden, sie zu unterstützen, da mein Papa nicht mehr von selbst laufen oder sich auf den Beinen halten konnte.
Als wir ihn dann gemeinsam wieder auf seiner Matte platziert hatten und er weiter am Kämpfen war, habe ich mich eine ganze Weile mit Niño darüber unterhalten, wie er als Schamane mit der Unterstützung von Ayahuasca anderen Leuten helfen kann.
Bzw. wie Ayahuasca ihm Anweisungen oder Tipps gibt, um den Menschen auf ihrem harten Weg, wie bei meinem Papa, zu unterstützen.
Ich erinnere mich daran, eine sehr interessante Unterhaltung gehabt zu haben, aber da ich trotz allem die Effekte von Ayahuasca stark spürte, kann ich mich nicht mehr an viele Details erinnern.
Jedenfalls hat es sich für mich nach einer Weile angefühlt, als wäre ich ein weiterer „Assistent” von Niño und dem Ayahuasca.
Das war auch eine sehr interessante und erleuchtende Erfahrung für mich, welche ich sehr zu schätzen weiß.
Als mein Papa dann wieder aufs Klo musste und ich gesehen habe, wie schwer es für sie war, den großen Mann zu stützen, habe ich mich dann dazu entschieden, sie zu unterstützen, und bin ihnen allen aufs Klo gefolgt.
Dort hatte mein Papa auch ordentlich mit Durchfall zu kämpfen und war sehr froh, dass ich hier war, um ihn zu halten und zu unterstützen.
Er hat sich immer wieder bei mir bedankt, dass ich hier bin, ihn unterstütze und diese Erfahrung mit ihm teile.
Er sah auf jeden Fall sehr mitgenommen und erschöpft aus.
Als ich ihm dort auf dem Klo ins Gesicht schaute, kam es mir so vor, als würde sich sein Gesicht und sein Körper von einem Moment auf den anderen von einem gesunden Gesicht relativ schnell, phasenweise zu einem sehr kranken und (ich weiß auch nicht, wie ich es anders beschreiben soll) verkrebsten Gesicht und Körper verändern.
Gequält von vielen Chemos und starkem Gewichtsverlust, bis fast zum Skelett, und dann wieder zurück.
Die gesamte Zeit im Wechsel, bis wir wieder in der Maloka waren.
Zurück in der Maloka hat dann ein paar Minuten später Niños Hund „Montesuma” das erste Mal angefangen zu bellen und ist aus der Maloka gerannt und hat überall herumgebellt.
Auf einmal hat es nur noch kurz leicht gequietscht, und dann war wieder Ruhe.
Zu diesem Zeitpunkt hat Niño ein Anaconda-Lied gesungen, und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich daran gelegen hat, aber ich war mir fast sicher, dass der Hund jetzt von einer Anaconda erwischt wurde.
Auch Niño hat sich Sorgen gemacht und hat sofort seine Brüder losgeschickt, um seinen Hund zu suchen.
Nach zehn Minuten sind sie aber zu dritt und unversehrt wieder zurückgekommen.
Niños Hund war mir auch allgemein während der Zeremonie eine große Hilfe, als ich mir immer wieder Sorgen um meinen Papa machte.
Das hat der Hund gespürt und ist zu mir zum Kuscheln gekommen, um mich ein bisschen abzulenken.
Ich habe schon viel darüber gelesen, dass manche Hunde ein richtig gutes Gefühl haben, wenn es um solche Zeremonien geht.
Und das kann ich nun eindeutig bestätigen.
Als der Schamane dann um kurz nach 03:00 Uhr nachts langsam die Zeremonie beendet hat und uns einen nach dem anderen von den Geistern und den anderen Welten befreit und zurückgeholt hat, kamen alle langsam wieder zu ihren Sinnen.
Was mich sehr überrascht hat, war, dass mein Papa trotz aller Schwierigkeiten und Kämpfe sehr begeistert war von der Zeremonie und seiner Erfahrung in bzw. während ihr.
Er hat sich immer wieder bei mir bedankt, dass ich hier bin und das mit ihm mache.
Danach haben wir so gut es ging noch über unser Erlebnis gesprochen.
Wobei es schwer war, darüber zu reden, ohne zuvor seine Gedanken zu sammeln und zu ordnen.
In dieser Nacht haben wir alle sehr gut geschlafen und sind sehr gespannt auf die zweite Zeremonie.
29.04.2024
Nachdem wir heute sehr gut geschlafen haben, gab es wieder etwas Leckeres zum Essen.
Das Essen schmeckt jedes Mal hervorragend.
Den Tag heute haben wir alle genutzt, um das Erlebte vom Vorabend zu reflektieren und Revue passieren zu lassen.
Wir haben den ganzen Tag ganz entspannt verbracht.
Ich und mein Papa haben sehr viel über seine Erfahrungen der letzten Nacht geredet, um die Erfahrungen richtig einzuordnen.
Natürlich haben wir auch mit den anderen Teilnehmern gesprochen.
Am Nachmittag haben wir uns alle mit Niño noch mal in der Maloka versammelt, um auch mit Niño selbst noch einmal über das Erlebte zu sprechen.
Was wirklich auch sehr schön und hilfreich war.
Einer seiner Brüder hat zum Beispiel erzählt, dass er, als er gesehen hat, wie stark mein Papa zu kämpfen hatte, schon fast den Ayahuasca-Saft bei Ayahuasca reklamieren wollte.
Er hat gesehen, wie stark das Ayahuasca mit meinem Papa gearbeitet hat.
Und das war für ihn das erste Mal, dass er selbst die Medizin vorbereitet und gekocht hat.
Deshalb hat er sich auch sehr verantwortlich gefühlt, als mein Papa eben so kämpfen musste.
Aber das Ayahuasca hat auch ihm dann versichert, dass alles mit rechter Ordnung abläuft und dieser Prozess der richtige ist.
Als er das erzählt hat, mussten Niño und sein anderer Bruder Arnold sehr grinsen und schmunzeln bzw. schon leicht kichern.
Weil er das schon sehr humorvoll erzählt hat.
Es war auf jeden Fall sehr herzerwärmend zu sehen und zu hören, dass trotz der schweren Zeremonie für meinen Papa das keine Ausnahme war und sie recht normal war für die Art von Behandlung, die mein Papa aufgrund des Krebses braucht.
Sie haben uns das immer und immer wieder versichert.
Alles ganz normal, nur keine Sorge.
Wir sind beide schon sehr auf den Tag und die zweite Zeremonie morgen gespannt und sind offen für alles, was kommen mag.




